Bei ruhigem Wetter wollen Niklas und Kerstin zum angeln rausfahren. Sollte der Wind günstig stehen, auch noch den Blister ausprobieren. Dieses ca. 120 qm große Segel für Leichtwind von Achtern haben wir bisher noch nicht genutzt. Wird also Zeit. Zumindest bereiten wir den Einsatz vor. Leinen stecken, Rollen anbauen und Blister am Mast positionieren. Gegen den Wind laufen wir aus und suchen eine passende Angelstelle mit entsprechenden Tiefen und Strukturen. Niki hat eine Idee, der wir folgen. 17 -20 m Tiefe mit Graben. Dort Motoren wir hin, denn der Wind haucht uns mit 2-3 kn entgegen. Segeln ausgeschlossen – angeln super. Nach einer guten Stunde sind wir in Position und los geht’s. Lange passiert nichts. Wir driften sehr langsam mit 0,3 kn. Die Ostsee ist so glatt, dass man sein Spiegelbild darin erkennen kann. O.k., etwas verzerrt, aber Haare kämmen würde gehen. Gute Gelegenheit die Raija mal von außen zu fotografieren. Ich mache das Schlauchboot klar, rudere ein paar Meter von ihr weg und kann bequem Fotos von meinen angelnden Mäusen machen. Der Wind nimmt ein wenig zu. Als ich an Bord bin, ruft es laut Fisch!!  Niki hat eine schöne Flunder an der Angel. Kurz darauf die ersten Heringe. Nach einem Dorsch bei Kerstin folgen noch weitere Heringe und drei tolle Makrelen. Zweimal geben wir uns einen Zeitnachschlag, weil es einfach Spass macht. Der Wind geht auf 6-9 kn. Auf der Rücktour setzen wir ein letztes mal Segel im Urlaub und rauschen in konstanter Fahrt mit 5 kn und 80° Windeinfall (schöner Winkel zum Segeln) Richtung Hafen. Erst um 20.00 Uhr sind wir am Steg fest. Morgen soll es nach Hause gehen. Wir sind etwas wehmütig. Es war einfach zu schön. Vier Wochen auf recht engen Raum zusammen leben, vier Wochen nette Menschen an neuen, tollen  Orten kennenlernen, vier Wochen mit Wind und See leben. Wir sind weiter nach Norden und Osten vorgedrungen. Nicht gewaltsam, sondern mit Genuss. Mal hat es uns eingeweht und wir hatten Zwangspause, mal so gut gefallen, dass wir länger geblieben sind. Wir haben viel gelernt und kennengelernt. Die Neugier auf „Me(e)hr“ ist geblieben. Reisen, so wie es uns gefällt.

Für das kommende Jahr haben wir zwei neue Routen im Kopf. Unser Favorit ist Gotland. Sollte uns das Wetter den Weg versperren, heißt die Alternative Oslo-Fjord. Wir sind auf jeden Fall gespannt. Eigentlich wollten wir heute zu Gosch nach Warnemünde rüber. Unsere Angelbummelei bringt uns jetzt in Bedrängnis. In Rekordzeit machen wir das Schiff fertig, springen von Bord und machen uns schnellen Schrittes zur Fähre. Es ist schon kurz nach halb neun. Gosch schließt um 22.00 Uhr die Küche. Wenn wir die 20.50 Uhr Fähre noch kriegen, schaffen wir es. Bei der Überquerung der Warnow  läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen. Der Essenplan steht schon fest. Niki – Backfisch und Bratkartoffeln, Maus- Jakobsmuscheln und Riesenscampis auf Salat, ich-Sommersalat mit Lachs, Flusskrebsen und Dorsch. Kurz nach halb zehn sind wir da. Überall in den Restaurants ist noch Betriebsamkeit. Bei Gosch sitzen auch noch genügend Leute auf der Terrasse vor dem Lokal. Drin wird es schon leer. Gerade noch können wir alles bestellen, bevor die Kochplatten abgekühlt und gereinigt werden. Zufrieden schleichen wir zurück. Eis passt heute leider nicht mehr rein. Ein Abschiedsglas Wein auf der Raija und ab in die Kojen. Ein toller Tag und Urlaub neigt sich dem Ende.