Kurs: Ystad – Klintholm
Start: 05.30   Ankunft: 15.30  Distanz: 56,8 sm


Wieder stehen wir zeitig auf. Alles läuft mittlerweile sehr routiniert ab. Wir brauchen fast eine Stunde, um alles klar zu haben. Kurzfrühstück (muss sein!), 2 Kannen Tee kochen, Kuchenbude abbauen, e-Kabel einholen, Leinen vorbereiten, Bailys Gassi gehen und Toilette. Segeln wir dem Sonnenaufgang entgegen ? Nein sie geht natürlich hinterm Heck auf, aber sehr schön und mit Morgenrot. Aha war da nicht was? „Bei Morgenrot schlecht Wetter droht?“. Erst scheint die Sonne sehr schön, wir fahren mit 40° am Wind und kommen gut voran. Cirren ziehen auf. Diese kleinen Eiswölkchen, die schlechtes Wetter ankündigen? Nein, kein Wetterbericht hat für unseren Bereich was davon gesagt oder geschrieben. Viele, kleine Tupferwolken folgen, dicht an dicht wie beim Streuselkuchen – ungewohntes Wetterbild. Kerstin sagt gleich, die habe ich im Wetterbuch gesehen. Gewittervorboten – Oh, was soll das geben? Kommt das „Tief“ jetzt schon und zu uns? Was wird aus dem tollen Sommertagsbeginn, den wir gerade erleben? Es ist zwar bitterkalt, so dass wir uns fühlen, wie bei einer Polarexpedition, aber es wird bestimmt gleich wärmer, wenn die Sonne richtig steht. Über Land Richtung Trelleborg bauen sich die Wolken zu mächtigen Haufenwolken auf. Plötzlich fahren wir durch eine Nebelwand. Radar an und wieder „sehen“ können. Sehr hilfreich diese Geräte. Außerdem geben die AIS Signale Hinweise auf andere Fahrzeuge. Funktioniert übrigens prima. Wir haben uns bei der Wahl des „Automatic Identifikation System“ für ein aktives entschieden. Wir wollen nicht nur andere Schiffe sehen, sondern auch gesehen werden. Außerdem haben Freunde und unsere Lieben zu Hause viel Spaß daran uns bei Marine Traffic zu verfolgen. Nebel zu Ende, immer noch kalt. Die Sonne hat auf einmal keine richtige Lust mehr zu scheinen. Quält sich hinter Wolken, die immer dichter und dunkler werden. Dunst am Horizont und Quellwolken nehmen zu. Wir haben mittlerweile den Öresund fast erreicht. Welle und Wind nimmt zu, ist aber normal. Hinter uns zieht eine bedrohliche Wand her. Wolkenfetzen ziehen sich nach unten. Sieht übrigens aus, wie ein aufgeplatztes Sofakissen. Kann uns ja nichts anhaben, da wir quasi gegen den Wind segeln – müssten also wegziehen. Tut sie aber nicht. Sie wird größer und bedrohlicher. Vor uns auf einmal das gleiche Spiel. Im Radar ist eine Regenfront zu sehen. Da oft eine Böenwalze vorgelagert ist, entschließen wir uns zu reffen. Genua ist schon eine Weile weg und die Fock gesetzt, da der Wind auf 12 kn zugenommen hat. Jetzt ist das Groß dran. Zwei Reffs, heißt, Dreiviertel weg. Die erste Walze kommt mit bis zu 20 kn. Regen folgt. Der Wind dreht heftig um rund 50° nach rechts. Wir fahren jetzt fast Achterschlag. Die Welle, die uns bis jetzt entgegenkam, wird zur Kreuzsee. Dazu kommt noch der Strom des Öresund. Alles wie im Kochtopf. Die Wellenhöhe bleibt Gottseidank moderat, da es eben „nur“ Böen sind. Am Himmel zeichnet sich ein bizarres Wolkenbild, dass ich bisher noch nicht gesehen habe. Ein dunkler Wolkenwirbel mit Fetzen nach unten. Kein Tornado-Bild), eher wie eine Schnecke, aber viel schneller. Vorsichtshalber nehmen wir das Groß jetzt ganz weg und fahren nur noch mit der Fock. Das Wolkenbild löst sich innerhalb weniger Minuten auf und es gibt nur noch ein paar Drücker von bis 26 kn. Danach steht der Wind achtern mit 14 -18 kn. Lehre für uns: Zeitiges Reffen lohnt immer und erspart Stress. Zu zeitig alles wegnehmen ist überflüssig, denn die meisten Schiffe stecken gerefft viel Wind weg, ohne aus dem Ruder zu laufen. Wir hätten quasi das gereffte Groß stehen lassen sollen, da die Raija damit besser gelaufen ist. Später sind wir in der Abdeckung von Mön. Wind und Welle wie im Ententeich. Der Himmel blau wie an der Riviera. Kein Wölkchen zu sehen. Obwohl ich nass bin und die Maus noch große Augen hat, kehrt das Lächeln wieder in unsere Gesichter. Irgendwie hatten wir heute alles, Sonne zu Beginn, Nebel, Wind gegen an, Halbwind, Achterschlag (Wind von hinten), Böenwalzen, Böen, Regen, Kreuzsee und Ententeich. Segeln ist echt spannend auf der Ostsee. Im goßen Bogen umfahren wir die Fischereianlagen und machen im Hafen von Klintholm fest. Ein sonniger Nachmittag und Abend folgt. Wir schauen uns an und lachen. Summer is back. Wir haben erwartet, dass zu dieser Jahreszeit der Hafen leer bleibt. Pustekuchen, bis 22.00 Uhr laufen Yachten ein. Mehrheitlich deutsche und ein paar Niederländer. Päckchenliegen ist angesagt. Über die Anzahl sind wir erstaunt. Viele jungen Familien mit Kindern sind dabei. Warum so viele Segler zu dieser Zeit? Im letzten Jahr war der Hafen Mitte August fast leer. Fahren wegen der Sicherheitslage weniger ins Ausland? Hat die kompliziertere Wetterlage zu dieser Konzentration geführt? Das Wetter ist ein viel diskutiertes Thema. Fast in jedem Hafen war es präsent. Alte Seehasen, die 30 – und mehr Jahre unterwegs sind, schütteln den Kopf. Hätten sie so noch nicht erlebt. Viele müssen lange auf passende Wetterfenster warten, wie wir auch. Sprünge werden kleiner. Kaum Strecken über 50 oder 60 sm, eher 20 -30 sm. Wettervorhersagen sind in diesem Jahr bisher unsicher. Selbst die Profi’s sind sich nicht sicher. Wir erleben zwei richtig schöne Tage. Fahren mit dem Bus nach einem Jahr wieder zu den Kreidefelsen. Auch hier gab es Veränderungen. Der Weg, der unterhalb der Treppe am Fuß der Felsen entlang führt, ist zur rechten Seite wesentlich schmaler geworden. Wir haben große Mühe mit trockenen Schuhen von der Treppe aus den Weg zu erreichen. Die linke Seite hat keinen Wanderweg mehr. Hier geht der Kreidefelsen direkt ins Meer. Sicher, es ist Flut, aber links gab es sichtbar ein paar Abgänge und an den Überhängen der rechte Seite sind an einigen Stellen markante Risse zu sehen. Hier werden in absehbarer Zeit Abbrüche folgen. Wir sind gespannt, wie es im nächsten Jahr aussieht. Wir haben sogar Vergleichsfoto’s gemacht, um das im kommenden Jahr besser beurteilen zu können. Auf dem Rückweg lassen wir uns vom Busfahrer an der Kreuzung zum Hafen absetzen. „Birthes blomstermaleri“ ist umgezogen. Früher hatte sie ihre Glas- und Keramikmalerei im Hafengelände. Einige Teller und Gläser haben uns so gut gefallen, dass wir sie gekauft haben. Wie soll es anders sein, habe ich kurz vor Antritt unserer Reise meinen Lieblingsfrühstücksteller beim Verrichten meiner schweren Abtrockenarbeit in der Kombüse fallen lassen, kaputt. Nun muss Ersatz her. Birthe ist aber mit ihrem Atelier knapp 2 km vom Hafen weggezogen. Um einen Ersatzteller zu bekommen, müssen wir laufen. Aber es lohnt sich. Sie hat natürlich wieder zig neue neckische Sachen seit unserem letzten Besuch gemacht. Als stolze Besitzer eines neuen Glases, mehrerer Teller  und zwei neuen Kaffeetassen, laufen wir die Straße zurück zum Hafen. Beseelt vom Gedanken, dass die Maus morgen ihr Frühstücksbrötchen von einem Teller essen kann von dem sie lustige Zuckerschoten anlächeln.