Einige Crew’s wollen heute auslaufen. Wir haben uns entschlossen auf den Sommer zu warten. In der Nacht zu Montag soll der Druck erheblich auf 1020 hPa steigen. Der Wind wird dann nachlassen und wir können entspannt nach Ystad  starten. Im Hafen kehrt irgendwie so etwas wie Ruhe ein. Dänische und schwedische Schiffe sind kaum noch zu sehen. Deutsche Yachten dominieren. Schaut man am Heck die Reihen durch, überall schwarz-rot-gold. Einige wollen noch nach Norden, Richtung Karlskrona, andere nach Süden, heimwärts. Unser Plan ist nach Ystad Hiddensee anzulaufen, und am Freitag mit NO-Wind Warnemünde zu erreichen. Die Wetterprognose sieht noch ein paar Sommertage vor, vielleicht bekommen wir etwas davon ab. Heute früh habe ich versucht Schäden am Rumpf, die wir uns an der Betonpier in Hasle zugezogen haben, etwas auszubessern. Der feine Quarzsand zwischen Fendern und Rumpf hat im Starkwind den Lack abgestumpft. Der Wind hatte damals in der Nacht gedreht und die Raija an die Pier gedrückt, einlaufender Schwell sorgte für reichlich Bewegung(wir haben berichtet). Noch einmal laufen wir durch die pittoresken Gässchen der Stadt. Zum zweiten Mal kehren wir bei einem italienischen Restaurant ein. Hier essen wir vorzüglich und werden sehr nett bedient. Die Chefin ist lustig. Eine Möwe (ist täglich die gleiche) fiept in einem nervenden Ton unmittelbar neben den Tischen. Wahrscheinlich haben Gäste versucht sie mit Futter zufrieden zu stellen, damit sie mit dem Fiepen aufhört. Hat wohl nicht geklappt. Nun muss die Chefin mit zwei Plastikserviertabletts gegeneinander klappen, damit sie verschwindet. Kaum 5 min später ist sie wieder da. Ich habe sie gefragt, ob beim Preis die „Soundmaschine“ innbegriffen ist. Sie lacht und sagt, dass wir sie gleich mitnehmen sollen.

Zum Strandspaziergang kommen wir erst spät, da immer wieder kleine Fronten durchgehen und kurze, ergiebige Schauer folgen. Am Himmel ist bereits zu sehen, dass das Tief sich entfernt. Die Fronten nehmen an Heftigkeit ab und die Wolken sehen weniger bedrohlich aus. Der Himmel fängt abends wieder an zu „brennen“. Wie lodernde Feuerzünglein ziehen rote Wolkenfäden am Horizont entlang. Wir sind völlig begeistert vor Faszination. Selbst als wir um 22.00 noch kurz im Cockpit sitzen, ist am Horizont noch ein heller Streifen zu sehen. Wie wird das erst aussehen, wenn wir im kommenden Jahr noch weiter in den Norden segeln?