Kurs: Hasle – Simrishamn
Start: 09.30  Ankunft: 14.30  Distanz: 28 sm


Weder DMI.dk (dän. Wetterbericht See), die extrem zuverlässig sind, noch Windfinder zeigen selbst früh dramatische Veränderungen. Vorhersage 1,50 Welle , bis 18 kn Wind. Nicht die Wunschbedingungen, aber mit raumen Wind machbar. Also starten wir ohne Stress. Niki schläft… ich mache mit Bailys den letzten Gang zum Bäcker. Dann gemütlich frühstücken und Leinen los. Wir starten prima und flutschen durch die Hafenausfahrt. Die ersten Brecher kommen uns schon entgegen und greifen die Raija. Souverän nimmt sie sie und setzt weich wieder ein. Ich bin davon überzeugt, wenn wir die 20 m Tiefenlinie überschritten haben wars das mit den großen Wellen von 2 – 2,50 m. Als wir 2 sm draußen sind sehen wir am Horizont immer noch weiße Schaumkämme. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass selbst bei 60 m Tiefe die Wellenberge noch höher kommen könnten. Ein großes Wolkenfeld nähert sich und wir bekommen die Windboten geschickt. Böen mit 17 – 20 kn fallen ein. Die Wellenberge steigen, dass mir langsam schummrig wird. Mittlerweile hebt sich der Bug der Raija bedenklich in die Höhe. Regelmäßig schaue ich den Wellenbergen direkt ins „Gesicht“ – in Poseidon´s Auge. Dann verschwindet die Raija auch schon mal  in einzelnen Wellenbergen. Ich glaube es sind nicht wenige mit bis 4 m Höhe dabei. Bei der einen oder anderen reiße ich sogar die Augen auf. Diese Dimension ist neu für mich und für die Maus sowieso. Erstaunlicher Weise bleibe ich ruhig und steuere die Raija durch dieses Wasserchaos. Die Wellen geben ein abstruses Bild. Kommen aus der Windrichtung oder eben nicht, brechen oder addieren sich zu Bergen. Was auch immer, unser Schiff ist grandios. Es nimmt jede Welle mit Geduld und setzt weich in die nächste ein. Ein Wellenberg, den ich kommen sehe bricht genau an der Bordwand. Ein mächtiger Hieb und der Backofen springt auf. Die Bleche stürzen sich ins Freie und fallen scheppernd in den Salon. Zwei Drehknöpfe vom Herd wollten die Freiheit nicht den Blechen allein überlassen und schießen hinterher. Eine Müslidose wird seekrank und spuckt ihren Inhalt in den Schrank. Alles gut überstanden, wir schwimmen noch! Zeitweilig kann man echt weiche Knie bekommen. Nach einer großen Welle folgt ein tiefes Tal. Na Raija, da wirst du doch nicht reinrutschen ? Oh doch. Wir verschwinden bis über den Großbaum, sehen nur noch Wasser. Sie wird wieder hochgehoben. Gischtberge ergießen sich über das Deck. Die Abläufe schaffen das Wasser schon lange nicht mehr. Es kommt zu viel nach. Ab und zu klatscht eine Welle an den Rumpf und die Fontäne geht über die Spayhood. Eine Salzwasserdusche erfrischt mich. Immer noch steuere ich die Raija per Hand fast gegenan. Der Wind kommt leider auch nicht wie prognostiziert. Deshalb versuche ich draußen Höhe zu gewinnen, um dann leicht auf 50-60° Windwinkel abzufallen. Die einzige Chance, die Fock zu setzen. Es könnte klappen. Nach einer Stunde gegenan motoren falle ich langsam ab. Will sehen, wie die Raija reagiert. Nach wie vor sehr gutmütig. Wir bekommen jetzt die Wellen von der Seite. Stück für Stück holen wir die Fock raus. Waschlappengröße – Geschirrtuchgröße – Handtuch. Das starke Nicken hört mit jedem qm mehr auf. Sie läuft tatsächlich ruhiger in der aufgewühlten See. Wir ziehen jetzt mit 5 kn Geschwindigkeit ab. Zum ersten mal höre ich den Wind auch in den Reelingsseilen heulen. Wir haben nun fast konstant 18 – 24 kn Wind. Die Welle bleibt ziemlich hoch und chaotisch. Bis zum Horizont ist alles mit weißen Schaumkronen gesäumt. Oh man, davon hat aber niemand beim Wetterdienst geredet. Wir trauen uns die Fock noch auf Badetuchgröße rauszulassen. Meine Maus springt ein ums andere mal über ihren Schatten. Im Grunde hat sie Angst. Dennoch wächst das Vertrauen in unser Schiff bei uns beiden bei jeder Seemeile. Meine Güte, was haben die in den 80’igern für Schiffe gebaut, einfach toll. Da die Raija nun immer ruhiger läuft und nicht übermäßig kränkt, lassen wir den Rest des Vorsegels auch noch raus. 6,5 kn nur mit der Fock. Die Bewegungen werden harmonischer, offenbar, weil das Schiff nun durch die Welle gezogen wird. Die Wellen und der Wind bleiben, meine Salzduschen auch. Jetzt lassen wir Beat ans Ruder. Unser Autopilot muss nun zeigen, ob er den Bedingungen gewachsen ist. Nach zweieinhalb Stunden komme ich nun dazu mal ein paar Duschen auszusetzen. Meine Süße schafft es die Navigation zu prüfen und Brötchen mit Wurst zu belegen. Bis 5 sm vor Simrisham bleiben die Windbedingungen erhalten. In der Abdeckung lassen wenigstens die Wellen ein wenig nach. Anderthalb- Zweimeter – Wellen bringen uns nun fast zum Schmunzeln. Wie sich Dinge doch relativieren. Im Hafen finden wir einen ruhigen Boxenplatz. Jetzt ist Aufklaren und saubermachen angesagt. Etwas runterkommen. Kerstin ist ganz schön geschafft. Die Anspannung war extrem hoch, hat aber alles super gemeistert. Hey Simrishamn- wir sind da.