Heute sind wir alle hundemüde. Die Nacht war wieder stürmisch. Der Wind geht kaum noch unter 15 kn, Spitzen schießen laufend auf 20-25 kn hoch. Beeindruckende Brecher gehen über die sehr hohen Molen aus Bornholmgranit und die Gischt zieht mit dem Wind ins Vorhafenbecken. Wirklich sehr gut geschützt ist unser Hafen hier in Hasle. Segler gehen heute nicht raus , es kommt auch niemand rein. Selbst die Fischer halten sich zurück und bleiben im Hafen. Zeit ein wenig Wäsche zu waschen. Die Idee haben einige. So laufen die 2 Waschmaschinen und der Trockner rund um die Uhr. Eine Crew liegt im hintersten Hafenbecken. Abwechselnd kommt der Skipper mit seiner kleinen Tochter oder seine Frau mit dem achtjährigen Sohn. Manchmal bleiben sie über die Waschzeit auch im Waschmaschinenraum sitzen, weil sich der weite Weg zum Schiff eigentlich nicht richtig lohnt. So treffen sich verschiedene waschwillige Segler und können ein wenig plauschen. Außer ausgedehnte Spaziergänge und Fisch kaufen beim Fischer machen wir nichts. Noch einmal einen Mietwagen bestellen scheitert mangels Mietwagen. Zum Fischen nach Nexö kommen wir mit der Maus nicht, weil abends kein Bus zurück geht. Langsam macht sich ein Hafenkoller breit – wir müssen los !

Am Abend prüfen wir nochmals den Wetterbericht. Seit früh beobachte ich das Geschehen aufmerksam. Viele sind trotz stürmischer See am 10.08. ausgelaufen. Einer sogar abends um 21.00 bei 20 kn Wind und 3 m Welle. Wir schauen uns an und denken – so etwas brauchen wir nicht, würden wir nie machen. Na mal sehen.

Acht Tage waren wir auf Bornholm. Wie haben wir die Insel empfunden?

Was ist unser Fazit?

Die Insel hat eine einmalig schöne Natur zu bieten. Unberührt, wild-romantisch, still. Durchzogen von Granitschluchten, historischen Gebäuden, pittoresken Städten, eine sehr hilfsbereite und nette Bevölkerung und traumhaft weisse Strände. Die Häfen sind durchweg gewöhnungsbedürftig. Unser Hafen in Hasle hat uns persönlich noch am besten gefallen. Wlan, saubere Duschräume, kostenloses Waschen. Trotzdem werden wir Bornholm nicht gleich wieder ansegeln. Warum? Irgendwie fehlt uns ein wenig das buntere Leben, diese Urigkeit zum verweilen, die wir aus anderen dänischen und schwedischen Städten kennen und schätzen…diese Liebe zum Detail…das Besondere. Wir fanden extrem wenig einladende Straßenkaffee’s und Restaurants, eher Second Hand Läden, Gallerien und Handgewerbe.  Schöne Geschäfte, aber davon kann keine Insel „leben“.

Diesen Eindruck hatten wir leider nicht allein. Gespräche mit anderen Segler-Familien zeigten das gleiche Bild, so schnell nicht wieder – bitte nicht nach Bornholm. Oder Kommentare – da fährt man doch nicht mehr hin :-(.   Verglichen haben wir Bornholm mit der Insel Ven und Orten wie Skanör oder Dragör. Plätze, die eine ähnliche Struktur und Natur haben, aber viel liebevoller „hergerichtet“ sind. Sie haben das Besondere, das Magisches, was einen jedes Jahr auf´s neue begeistert. Möglicherweise gibt es das in Bornholm, doch wir haben es nur nicht entdeckt. Mal sehen, vielleicht in 5 Jahren noch einmal. Wir sind gespannt wo der Trend hingeht und wie sich diese wunderschöne Natur-Insel entwickelt.