Am Morgen kommen wir uns vor, als hätten wir jeder eine Flasche Wein getrunken. Der Wind hat noch in der Nacht gedreht und auf 20 -25 kn zugenommen. Böenwalzen krachen in den Hafen, Schwell entsteht. Wir rotieren im Bett, wie auf einem Rodeo-Bullen. Ein- ums andere Mal wird die Raija brutal gegen die Betonpier gedrückt. Die Fender ächzen unter dieser Last. Wir haben das Gefühl in einem Shaker übernachtet zu haben. Aber auch das gehört eben zum Seglerleben. Aus kleinen Augen schauen wir uns an und können auch schon wieder lächeln, weil einer so aussieht wie der andere. Nach einem Wiederbelebungsfrühstück schleichen wir die Straße aufwärts zur Bushaltestelle. Heute ist ja Angeltag – Nahrungsbeschaffung. Niklas hat die Busverbindungen nach Nexö rausgesucht. Balis und ich werden auf der Raja bleiben, Haustag sozusagen. Eine gute Gelegenheit mich mit dem Blog zu beschäftigen und einige Kleinigkeiten zu reparieren. Auch mal über unsere Reise nachzudenken. Daniel, bei dem Niklas und Maus jetzt auf dem Kutter sind, ist mit seiner Familie vor vier Jahren nach Bornholm gekommen. Von einer anderen Auswanderfamilie auf Bornholm habe ich im Netz gelesen. Warum Dänemark ? Ein Land mit hohen Steuern und Kosten. Wie ich erfuhr, ist das Auto für Dänen ein absolutes Luxusgut. Es kostet etwa das dreifache wie in Deutschland.  Ein Polo würde hier dann vergleichsweise soviel kosten,wie ein A6 in Deutschland. Steuerbegünstigt sind Oldtimer und geschäftlich genutzte Fahrzeuge. Einkommenssteuer Minimum 43% , für außergewöhnliche Dinge, Luxussteuer. Sicher gibt es auf der anderen Seite auch ein paar Vergünstigungen. Hart schein das Leben hier dennoch zu sein. Wo auch immer wir hinkommen sind Häuser zu verkaufen, „til salg“ . In bester Lage und zu sehr moderaten Preisen. Gefühlt jedes zwanzigste Haus. Warum verkaufen so viele Menschen ihre Häuser? Offenbar geht der Tourismus auf Bornholm zurück. Auch kommen nicht die zahlungskräftigsten Gäste her. Viele junge Familien zum Camping, Urlauber mit Fahrrädern, Wandertouristen, Segler. Alles in allem eher sparsame Gäste, die sich schwerpunktmäßig selbst versorgen. An jeder Ecke sieht man Kunstgewerbestände, geschliffenen Granit, Glasbläserkunst, Naturprodukte, wie Honig, Seife und Creme. Nur gekauft wird offenbar wenig. Es bleibt quasi wenig Geld auf der Insel. Die Arbeitslosigkeit ist recht hoch. Hier ist wohl der Grund für den massiven Hausverkauf zu suchen. Als Ausländer kann man auch nicht einfach so eine Immobilie in Dänemark erwerben. Man muss mindestens 5 Jahre hier sein, um zBsp. das Recht zu haben ein Sommerhäuschen auf Bornholm zu kaufen. Wie gesagt man muss Däne werden mit allem drum und dran. Die Motivation der Auswanderer ist Lebensqualität im Familiensinne. Auf Familie wird sehr viel Wert gelegt. Arbeitgeber sind wesentlich entspannter, Arbeitszeiten werden wohl sehr genau eingehalten, damit eben Zeit für die Familie bleibt. Hektik haben wir hier noch nicht erlebt. Kinder stehen im Vordergrund. Ich werde später noch weitere Eindrücke zu diesem Thema schreiben. Es macht ping im Telefon. Meine beiden Nahrungsbeschaffer hatten Erfolg. Weit über 10 Dorsche und zig Heringe haben sie gefangen. Zum Verzehr bringen sie 7 reife Dorsche und 20 Heringe mit. Daniel bringt meine Crew sogar bis zum Schiff und zeigt mir auch noch, wie man Heringe filetiert. Es ist mittlerweile acht Uhr abends und er ist dennoch entspannt und lächelt. An dieser Stelle noch ein Tipp fürs angeln. Bei 30 -40 m Pilktiefe sollte der Pilker 200 g haben. Die Drift ist so stark, dass alles leichtere den Boden nicht erreichen kann und der Dorsch ihn auch nicht sieht. Der 100 g Pilker von Niklas blieb fast an der Oberfläche des Wassers.