Heute stehen wir erst sehr spät auf. Warum auch früher? Um zeitiger das Klo reparieren zu können ? Ich dackle mit Baylis los, um Brötchen zu holen. Nicht im nahen Supermarkt, sondern beim dänischen Bäcker. Während wir gemütlich unser erstes Frühstück auf der Insel einnehmen, der Nachbar zum Bäcker gelaufen ist und die Nachbarin gemütlich am Heck ihres Schiffes ein Piefchen raucht, gibt es plötzlich einen Zisch und Knall. Im ersten Moment warte ich auf einen Raketen- oder Torpedoeinschlag. Aber es klirrt nur ein Glas, dass durch das Cockpit des Nachbarschiffes geflogen, in tausend Scherben zersprungen ist und eine Tasse fällt scheppernd zu Boden. Als ich mich vorsichtig umdrehe und meine Herzfrequenz langsam wieder abnimmt, sehe ich einen großen orangefarbenen Ball hinter der Windschutzscheibe des Nachbarn. Die Rettungsweste hat selbstständig beschlossen  einen Testlauf zu machen und ist aufgegangen. Zu guter letzt kommt auch der Skipper gerade vom Bäcker zurück und fragt seine Frau: Was hast du denn gemacht? Oh,oh – eine Frage die man so wohl nicht stellen sollte. Die Antwort kam postwendend: Na denkst du ich hab die mutwillig ausgelöst? Die Wogen waren aber schnell geglättet. Trotzdem waren wir schon alle ziemlich verwundert, dass sich eine Rettungsweste nach quasi einer Nacht überlegt auszulösen. Zwei Gedanken beschäftigen uns dabei. Sollte man wirklich erst eine Nacht im Wasser liegen, bis so ein Ding in den Rettungsmodus geht und auslöst? Oder darf sie auch mal zwischendurch einen Testlauf machen, ohne dass man überhaupt im Wasser ist? Nur so, um mal zu zeigen, dass sie funktionieren würde, falls man ins Wasser fällt? Eine Frage, die Serumar (Hersteller dieser Weste) beantworten muss. Die Beiden haben gestern auf ihrer Fahrt hierher bestimmt ganz schön Wasser genommen. Die Fragen bleiben aber dennoch. Nach dem Frühstück, es ist schon fast 11.00, mache ich mich in die Backskiste und räume mit der Maus erstmal alles raus, was drin ist, denn ich muss an die Schläuche,Ventile und den Behälter. Fast alles liegt natürlich fein säuberlich unter dem Bodenbrett verbaut. Das Cockpit ist schnell gefüllt, die Kiste dafür leer. Nach vier Stunden „Backskistenkarzer“ schmerzenden Gelenken und sich langsam wiederbelebenden Beinen, ist alles wieder fein. Ventile und Wege sind frei und die Bordtoilette wieder funktionstüchtig. Ein großartiges Gefühl von ‚wir haben es geschafft‘ durchströmt uns. Wir sind stolz wieder ein Stück Raija entdeckt, entschlüsselt und repariert zu haben. Vieles muss aus Zeitgründen noch die Werft machen. Wir merken aber immer mehr, dass es sehr wichtig ist, sein Schiff kennenzulernen und zu entdecken. Außerdem spart es enorm Kosten. Zur Belohnung wollen wir uns kurz vor 16.00 einen Mietwagen bestellen. Um 16.00 ist beim Verleih Arbeitsschluss. In Dänemark ist übrigens Arbeitsschluss auch Arbeitsschluss und die Familie steht ganz vorn dran. 35 h Woche und jeder Arbeitgeber achtet diese Regelung. 15.55 erreichen wir den Chef noch per Telefon. ‚Ich habe leider kein Auto mehr zu verleihen, alles raus…- aber wieviel Personen seid ihr?‘ Er fragt, ob wir auch einen Kleinbus nehmen würden. Da wir so ziemlich alles fahren können, sagen wir ja und fragen was der kosten soll. Na wenn ich kein kleineres habe und ihr ein größeres akzeptiert, den Preis vom Kleinen, ist ja nicht eure Schuld, dass ich kein kleineres Auto habe‘. Natürlich sagen wir zu. Er sagt: ’Gebt mir eine halbe Stunde, ich bringe euch das Auto in den Hafen’. Sein Verleih ist in Rönne, wir liegen ca. 10 km entfernt in Hasle. Eigentlich wollten wir das Auto für morgen und übermorgen sage ich. ‚Ich bring dir das trotzdem heute schon und hole es übermorgen Abend wieder ab. Natürlich für den Preis von zwei Tagen‘ . Wir sind völlig geflasht. Was ist das denn. Kleinbus statt Kleinwagen zum gleichen Preis, direkt ans Schiff gebracht, statt abholen und dann noch heute, obwohl wir für morgen und übermorgen bezahlen. Als er dann kommt, nehmen wir einen VW-Bus Bj. 1980 in Empfang. Erst sind wir etwas irritiert. Leichte Roststellen, Bäulchen und 250.000 km auf dem Tacho. Ich frage, aus Deutschland so gewohnt, nach Schadenaufnahme bevor wir starten. Er grient und sagt:’Alles kein Problem. Ihr schaut euch die Insel an und ich hole das Auto in zwei Tagen ab. Schön, wenn ihr noch tanken könnt. So locker könnte die ganze Welt sein, dann wäre manches einfacher. Noch am selber Abend starten wir, um den Norden ein wenig zu erkunden. Bornholms größte Festung Hammershus beeindruckt uns sehr. Es sind augenblicklich nur noch Fragmente der ehemals prächtigen Anlage zu sehen. Mit etwas Phantasie kann man sich aber sehr wohl in die Zeit zurückversetzen. Mit viel Mühe wird diese derzeit aufwändig restauriert. Sehr lohnenswert, finden wir. Seit dem 12.Jh. hatte sie eine wechselvolle Geschichte und diente vorrangig als Sitz von Erzbischöfen. Mitte des 16.Jh. ging sie für wenige Jahrzehnte in Besitz der Lübecker Hanse über. In dieser Zeit wurde der Ausbau der Burganlage maßgeblich vorangetrieben. In größeren Zeitabschnitten diente sie als‚ Gefängnis‘ oder ‚Verbannungsort‘. Schon 1743 gab man die  Burg auf. (Q.Wikipedia) Seit dem wurde sie als Materialbeschaffungsstelle von der Bevölkerung genutzt. Ende des 19.Jh. ging ein vorsichtiger Wiederaufbau los, der nun an Fahrt gewinnt. Der Ausblick von Hammershus ist grandios. Granitklippen fallen steil ins Meer hinab. Die Brandung spielt je nach Wind mit ihnen. Zwischen den Klippen führen kleine, grüne Täler zum Meer hinab. Gut ausgebaut bieten sie sich für eine beeindruckende Wanderung an. Wir fahren weiter nach Sandvig und Allinge. Als wir um die Nordspitze biegen ist sofort der starke Westwind weg. Ablandig, ruhige See ist zu sehen. Die Häfen sind sehr winzig. Wir staunen nicht schlecht, dass dennoch einige Segler zwischen Fischerbooten Platz gefunden haben. Im Hafen von Allinge ist auf einmal ein Massenauflauf zu sehen. Wir halten an und wandern durch den Hafen, der wie Sandvig auch, von alten Fischerhäuschen eingerahmt ist. Ein gemütliche Flair macht sich breit, obwohl wir hier nicht mit dem Schiff reinfahren würden. Um sich bei Sturmflut schützen zu können, haben die kleinen Häfen Absperrtore, mit denen man ein Hafenbecken komplett schließen kann. Diese sind zur Zeit offen. In Allinge hat man zwei Gurtbänder zwischen die zwei ca. 5 m auseinander liegenden Torköpfe gespannt. Hier versuchen jeweils zwei Kinder von einem Torkopf aus über die Durchfahrt zum anderen Torkopf zu balancieren. Unter großem Beifall und gejohlte fallen die Meisten natürlich ins Hafenbecken. Eine tolle Idee und ein unterhaltsames Schauspiel. Den Abend lassen wir in einem Restaurant ausklingen, dass einen Blick über die ganze Bucht zulässt. Letzte Segler kommen an die Küste und laufen einen der kleinen Häfen an. Abendstimmung, mediterrane Wärme und ein grandioser Blick leiten ein tolles ideenreiches Abendbrot ein. Wir haben wohl auf Anhieb eines der besten Restaurants der Insel entdeckt. Wieder geht ein toller ereignisreicher Tag zu Ende. Glücklich fahren wir nach Hasle und gönnen uns noch ein Glas Wein an Bord.